Wissen: Photovoltaik

Lohnt sich Photovoltaik 2026 noch? Die Rechnung für Norddeutschland

Offen gerechnet mit Ortswerten aus Stade, Buchholz und Harburg: wann sich eine Solaranlage bezahlt macht, mit und ohne Speicher, heute und nach dem Entwurf.

Zahlen mit Stern stammen aus dem Gesetzentwurf vom 07.09.2026. Ein Entwurf ist noch kein Gesetz.

Das hängt vor allem an zwei Dingen: am Preis der Anlage und daran, wie viel ihres Stroms im Haus bleibt.

Unsere Modellrechnung für ein Haus in Stade (10 kWp auf dem Süddach, 4.000 kWh Verbrauch) zeigt, wann sich die Anlage bezahlt macht:

  • In Betrieb bis zum 31.12.2026: ohne Speicher nach 19,1 Jahren, mit einem 6-kWh-Speicher nach 16,2 Jahren.
  • In Betrieb 2027, nach dem Regierungsentwurf: ohne Speicher nicht innerhalb von 30 Jahren, mit Speicher nach 23,4 Jahren.

Der Unterschied hat einen Grund: Nach dem Entwurf ist die Zahlung für eingespeisten Strom auf 36 Monate (Entwurf vom 07.09.2026) begrenzt. Danach rechnen wir mit null.

Alle Annahmen stehen unten, jede mit Quelle. Die Rechnung ist ein Modell, kein Ertragsversprechen. Mit Ihren eigenen Zahlen kann sie anders ausfallen: Dafür gibt es den Rechner Wirtschaftlichkeit. Die Grundlagen stehen auf der Seite Planung und Kosten.

Wovon hängt ab, ob sich die Anlage rechnet?

Fünf Zahlen entscheiden:

  1. Ertrag: Wie viel Strom liefert das Dach im Jahr? Das hängt an Ort, Ausrichtung, Neigung und Verschattung.
  2. Eigenverbrauch: Wie viel davon bleibt im Haus (Eigenverbrauchsquote)? Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart den Arbeitspreis Ihres Stromtarifs.
  3. Preis je kWp: Was kostet die Anlage? Die Verbraucherzentrale hat 71 Angebote aus Januar 2025 bis August 2026 ausgewertet. Im Mittel kosteten Anlagen über 9 bis 10 kWp 1.410 €/kWp, Anlagen mit 4 bis 6 kWp 2.090 €/kWp und Anlagen über 16 kWp 1.010 €/kWp. Die Verbraucherzentrale betont: Die Tabelle ist keine Orientierung für aktuelle Preise. Sie zeigt, wie stark der Preis von der Größe abhängt. Mehr im Artikel Was kostet eine PV-Anlage 2026?.
  4. Strompreis: Was zahlen Sie sonst für Netzstrom? Der BDEW nennt für 2026 bisher im Durchschnitt 37,0 ct/kWh für Haushalte, Grundpreis anteilig enthalten.
  5. Vergütung: Was bringt der eingespeiste Rest? Bei Inbetriebnahme bis Jahresende sind es 7,70 ct/kWh für die ersten 10 kW. Nach dem Entwurf sind es ab 2027 zunächst 5,20 ct/kWh (Entwurf vom 07.09.2026).

Der wichtigste Hebel ist der Eigenverbrauch. Eine selbst genutzte Kilowattstunde ist beim BDEW-Durchschnittspreis fast fünfmal so viel wert wie eine eingespeiste.

Wie viel Strom bringt ein Dach im Norden?

Die Tabelle zeigt den Jahresertrag je kWp, in kWh je kWp und Jahr. Berechnet ist er mit PVGIS, dem Rechenwerkzeug der Europäischen Kommission.

DachflächeStadeBuchholz i. d. N.Hamburg-Harburg
Süd, 35°980968992
Ost, 15°812807821
West, 15°807797814
flach, 0°819812827
Nord, 35°514513515

Für Ihre Adresse, Richtung und Neigung rechnet der Rechner Standort-Ertrag.

Drei Dinge fallen auf:

  • Die Unterschiede in der Region sind klein, die zwischen den Dachrichtungen groß. Ost- und Westdächer mit flacher Neigung liefern 82 bis 83 % des Süddachs. Ein Norddach mit 35° liefert nur gut die Hälfte.
  • Die Jahre schwanken. Für das Süddach in Stade nennt PVGIS eine Standardabweichung von 51 kWh je kWp zwischen den Jahren.
  • Der Winter ist schwach. Im Dezember liefert das Süddach in Stade 22 kWh je kWp, das sind 17 % des Juniwerts. Bei Ost oder West mit 15° Neigung sind es 7 %. Wer im Winter viel Strom braucht, etwa für eine Wärmepumpe, deckt ihn nur zum kleinen Teil vom Dach.

Die Messwerte des Deutschen Wetterdienstes passen dazu: 2025 lag die Globalstrahlung in Stade rund 7 % unter dem Mittel für Deutschland.

Woher die Zahlen kommen
  • Erträge: PVGIS mit 14 % Systemverlusten und Wetterdaten von 2005 bis 2023. Eigene Abfragen der Redaktion vom 24.09.2026.
  • Globalstrahlung 2025: Stade 1.102 kWh/m², Otter 1.105, Buchholz 1.106 und Hamburg 1.107 kWh/m². Das Mittel aller Rasterzellen in Deutschland lag bei 1.187 kWh/m². Eigene Auswertung des DWD-Rasters.

Was ergibt die Rechnung für das Musterhaus?

Das Musterhaus steht in Stade: 10 kWp auf dem Süddach mit 35°, 4.000 kWh Verbrauch im Jahr, einmal ohne und einmal mit 6 kWh Speicher. Gerechnet sind drei Fälle:

  • Inbetriebnahme bis Ende 2026 nach geltendem Recht
  • Inbetriebnahme 2027 nach dem Regierungsentwurf
  • Nulleinspeisung
Stade, Süddach mit 35°, 10 kWp, 4.000 kWh Verbrauch im Jahr. Eigenverbrauch und Autarkie im ersten Jahr; Amortisation innerhalb von 30 Jahren, Rendite für einen Zeitraum von 20 Jahren. Gerechnet mit dem Rechenkern des Rechners Wirtschaftlichkeit, Annahmen in der Tabelle darunter.
FallOhne SpeicherMit 6 kWh Speicher
Eigenverbrauchsanteil und Autarkiegrad im ersten Jahr17 % und 43 %33 % und 75 %
Inbetriebnahme bis Ende 2026geltendes RechtAmortisation19,1 JahreRendite in 20 Jahren0,4 %Amortisation16,2 JahreRendite in 20 Jahren2,0 %
Inbetriebnahme 2027Entwurf vom 07.09.2026Amortisationnicht in 30 JahrenRendite in 20 Jahren-6,9 %Amortisation23,4 JahreRendite in 20 Jahren-1,4 %
NulleinspeisungEntwurf vom 07.09.2026Amortisationnicht in 30 JahrenRendite in 20 Jahren-6,3 %Amortisation22,8 JahreRendite in 20 Jahren-1,2 %
Annahmen des Musterhauses. Mit Ihren eigenen Zahlen rechnet der Rechner Wirtschaftlichkeit. Zum Vergleich: Finanztip nennt als Obergrenze 1.600 € je kWp ohne Speicher.
AnnahmeWertQuelle
Anlage10 kWp, Süd, 35°, StadeAnnahme
Ertrag988 kWh je kWp im JahrPVGIS, Europäische Kommission, Rasterzelle des Orts
Verbrauch4.000 kWhAnnahme; Lastgang als Mittel gemessener Haushalte aus Niedersachsen
Preis der Anlage14.100 € (1.410 € je kWp)Verbraucherzentrale, Mittelwert der Klasse über 9 bis 10 kWp, Stand 28.08.2026; nach ihr keine Orientierung für aktuelle Preise
Preis des Speichers3.060 € (510 € je kWh)Verbraucherzentrale, Mittelwert der Klasse 4 bis 6 kWh
Strompreis37,0 ct/kWh, über die Laufzeit gleichBDEW, Durchschnitt 2026 für Haushalte
Betriebskosten1,5 % der Investition im JahrFinanztip
Alterung der Module0,5 % im JahrAnnahme des Rechners
Vergleichszins5,13 %KfW-Kredit 270, Variante 20/3/20, beste Preisklasse
Inbetriebnahme01.12.2026 (geltendes Recht) und 01.03.2027 (Entwurf)Annahme
Nach der ÜbergangszahlungAbnahme durch den Netzbetreiber ohne VergütungAnnahme; was die Direktvermarktung einer kleinen Anlage netto einbringt, ist nicht belegt
Smart Meter und Steuerboxab dem ersten Jahr, mit den Entgelten nach § 30 MsbGAnnahme; Entgelte aus dem Rechtsstand-Register

Nicht enthalten sind Kosten, die im Preis je kWp nicht stecken, etwa ein neuer Zählerschrank.

Der Rechner Wirtschaftlichkeit zeigt, wie sich das Ergebnis verschiebt, wenn Strompreis oder Investition um ein Zehntel abweichen, der Strompreis jährlich steigt oder der Speicher wegfällt. Dort lässt sich auch ein Kredit einrechnen.

So ist gerechnet
  • Rechenkern: Gerechnet ist mit dem Rechenkern des Rechners Wirtschaftlichkeit, Stunde für Stunde. Eingerechnet sind das Wetterjahr des Orts, der Verbrauch gemessener Haushalte, die Einspeisegrenze und die Zeiten negativer Börsenpreise.
  • Speichergröße: Sie folgt der Empfehlung der HTW Berlin, höchstens 1,5 kWh nutzbare Kapazität je 1.000 kWh Jahresverbrauch vorzusehen.
  • Negative Börsenpreise: Bei Anlagen mit Smart Meter entfällt die Vergütung in Viertelstunden mit negativem Börsenpreis, ab dem Jahr nach dem Einbau. Die Zeit wird am Ende nur zum Teil angehängt. 2025 gab es laut Bundesnetzagentur in 573 von 8.760 Stunden negative Großhandelspreise. Laut HTW Berlin fielen 2024 schon 18 % des Ertrags einer Südanlage in solche Zeiten.

Was ändert sich 2027 nach dem Entwurf?

Nach dem Entwurf fällt für neue Anlagen die feste Vergütung weg. An ihre Stelle tritt eine Übergangszahlung von 5,20 ct/kWh (Entwurf vom 07.09.2026) für höchstens 36 Monate (Entwurf vom 07.09.2026). Danach bleiben drei Wege:

  • Die sonstige Direktvermarktung: Für Anlagen unter 25 kW (Entwurf vom 07.09.2026) gibt es dabei einen Bonus von 1,50 ct/kWh (Entwurf vom 07.09.2026) für höchstens 48 Monate (Entwurf vom 07.09.2026).
  • Die unentgeltliche Abgabe an den Netzbetreiber.
  • Die Nulleinspeisung.

Dazu kommt die dauerhafte Einspeisegrenze von 50 % (Entwurf vom 07.09.2026) für Dachanlagen unter 100 kW (Entwurf vom 07.09.2026).

Was die Direktvermarktung einer kleinen Anlage nach Abzug der Kosten einbringt, ist heute nicht belegt. Deshalb rechnen wir nach der Übergangszahlung mit null. Im Rechner Wirtschaftlichkeit können Sie stattdessen die Direktvermarktung mit eigenen Kosten wählen.

Die Nulleinspeisung hat eigene Folgen:

  • Wer die Einspeisung dauerhaft auf null begrenzt und deshalb ohne Steuerbox auskommt, kann die Begrenzung frühestens nach 4 Jahren aufheben.
  • Den Förderkredit KfW 270 gibt es nur, wenn zumindest ein Teil des Stroms eingespeist wird.

Auch nach dem Beschluss darf der Zahlungsteil des neuen Gesetzes erst angewendet werden, wenn die Europäische Kommission ihn beihilferechtlich genehmigt hat.

Die Vorschriften dazu
  • Bindung an die Nulleinspeisung: § 29 Abs. 5 MsbG
  • Vorbehalt der beihilferechtlichen Genehmigung: § 104-E

Wann rechnet sich eine Anlage nicht?

  • Das Dach liefert zu wenig. Ein Norddach mit 35° bringt in Stade 514 kWh je kWp, gut die Hälfte des Süddachs. Kosten und Messentgelt bleiben gleich.
  • Der Preis ist zu hoch. Finanztip rät, für die Anlage höchstens 1.600 €/kWp und mit Speicher höchstens 2.200 €/kWp zu bezahlen. Kleine Anlagen sind je kWp teurer: Die Verbraucherzentrale nennt 2.090 €/kWp bei 4 bis 6 kWp.
  • Es bleibt wenig Strom im Haus. Wer tagsüber kaum verbraucht und keinen Speicher hat, lebt vor allem von der Vergütung. Die ist ab 2027 nach dem Entwurf befristet.
  • Nebenkosten fehlen im Angebotsvergleich. Die Preise der Verbraucherzentrale gelten ohne Speicher und ohne Extras wie Notstrom oder eine nötige Erneuerung der Hauselektrik.

Was sind die nächsten Schritte?

  1. Eigene Zahlen nehmen: Verbrauch und Arbeitspreis stehen auf Ihrer Stromrechnung. Dazu kommen Ausrichtung und Neigung Ihres Dachs. Wie viel Strom Sie selbst nutzen, rechnet der Rechner Eigenverbrauch.
  2. Mehrere Angebote einholen: Vergleichen Sie den Preis je kWp mit der Größenklasse. Lassen Sie den Speicher getrennt ausweisen. Den Vergleich mit veröffentlichten Mittelpreisen macht der Angebots-Check.
  3. Speicher passend wählen: Nach der HTW höchstens 1,5 kWh nutzbare Kapazität je 1.000 kWh Verbrauch und je kW Leistung. Welche Größe sich trägt, rechnet der Rechner Speichergröße.
  4. Den Termin realistisch planen: Für die Sätze von 2026 muss die Anlage bis zum 31.12.2026 in Betrieb sein. Netzbetreiber haben dafür eigene Fristen. Mehr im Artikel Noch 2026 ans Netz.
  5. Finanzierung klären: Den Kredit KfW 270 beantragen Sie über Ihre Bank, bevor das Vorhaben beginnt.

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