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Wie ein Batteriespeicher Geld verdient
Großhandel, Regelleistung, Erlösindizes, Kosten und Alterung: wie ein netzgekoppelter Speicher Erlöse erzielt und was davon bei kleinen Einheiten ankommt.
Kurz gesagt
- Ein netzgekoppelter Batteriespeicher verdient an zwei Stellen: am Großhandelsmarkt und mit Regelleistung.
- Am Großhandel lädt er Strom in billigen Stunden und speist ihn in teuren ein (Arbitrage). Mit Regelleistung stützt er die Netzfrequenz.
- Beide Erlöse schwanken stark. Die bekannten Prognosen erwarten, dass sie bis 2030 sinken, weil viele neue Speicher dazukommen (Speichererlöse bis 2030).
- Kleine Anlagen erreichen diese Märkte nicht allein. Sie brauchen einen Vermarkter, der viele Speicher bündelt.
Wie verdient ein Speicher am Großhandel?
Ein Speicher lädt, wenn der Preis niedrig ist, und speist ein, wenn er hoch ist. Was er dabei verdienen kann, hängt an der Spanne zwischen den billigen und den teuren Stunden eines Tages.
Gehandelt wird in zwei Schritten:
- Day-Ahead: In dieser Auktion wird Strom für jede Viertelstunde des nächsten Tages gehandelt. Bis zum 30.09.2025 waren es Stunden.
- Intraday: Danach läuft der Handel weiter, in Auktionen und fortlaufend bis kurz vor der Lieferung.
Wie die Auktionen und der fortlaufende Handel funktionieren, erklärt der Artikel Stromhandel für Speicher.
Wie groß waren die Preisunterschiede zuletzt?
Die mittlere Spanne zwischen dem teuersten und dem billigsten Stundenpreis eines Tages lag:
- 2023 bei 97,9 €/MWh
- 2024 bei 111,2 €/MWh
- 2025 bei 124,1 €/MWh
- 2026 bei 156,8 €/MWh (bis 23.09.2026)
Negative Preise gab es 2025 in 576 Stunden.
Werte in €/MWh.
| Jahr | Tagesspanne €/MWh | Negative Stunden | Arbitrage-Obergrenze €/MW |
|---|---|---|---|
| 2023 | 97,9 | 301 | 58.253 |
| 2024 | 111,2 | 457 | 69.750 |
| 2025 | 124,1 | 576 | 78.834 |
| 2026 (bis 23.09.2026) | 156,8 | 466 | 76.402 |
Die monatlichen Werte stehen im Marktdaten-Monitor.
So rechnen wir
Wir rechnen jede Stunde als Mittel ihrer Viertelstunden. Eine Stunde zählen wir als negativ, wenn dieses Mittel unter null liegt. Wer Viertelstunden zählt oder Stunden anders abgrenzt, kommt auf etwas andere Zahlen.
Was ist Regelleistung, und wer darf sie anbieten?
Mit Regelleistung halten Speicher die Frequenz im Netz stabil. Es gibt drei Produkte:
- Primärregelleistung (FCR)
- Sekundärregelleistung (aFRR)
- Minutenreserve (mFRR)
Die Bedingungen:
- Das kleinste Gebot beträgt bei allen drei Produkten 1 MW.
- Batteriespeicher müssen für FCR mindestens 15 Minuten volle Aktivierung leisten können. Darüber hinaus müssen sie Energie für weitere Abrufe vorhalten. So verlangen es die Präqualifikationsbedingungen der Übertragungsnetzbetreiber.
- Kleinere Anlagen nehmen nur über einen präqualifizierten Pool teil, also über einen zugelassenen Verbund vieler Anlagen.
Mehr dazu im Artikel Regelleistung: FCR, aFRR, mFRR und Pools.
Die Märkte sind klein und füllen sich schnell. Großspeicher in Deutschland hatten 4,43 GW und 7,66 GWh am 24.09.2026. Wie schnell sie wachsen, zeigt der Artikel Speichermarkt Deutschland.
Was zeigen die Erlösindizes?
Drei Häuser veröffentlichen, was ein Speicher mit 1 MW und 2 MWh über alle Märkte erlöst hätte oder erlösen dürfte:
- RWTH Aachen (ISEA), Index: für 2025 259.000 € je MW und Jahr
- enervis, Index: im Mittel der zwölf Monate bis Juli 2026 12.900 € je MW und Monat. Auf das Jahr gerechnet ist das deutlich weniger.
- Modo Energy, Prognose: für 2026 240.000 € je MW und Jahr, bis 2030 etwa die Hälfte, langfristig 125.000 € je MW und Jahr
| Index | Wert | Zeitraum | Annahmen | Stand |
|---|---|---|---|---|
| RWTH Aachen, ISEA: Battery Revenue Index, marktübergreifend | 309.000 € je MW und Jahr | 2024 | 1 MW / 2 MWh, höchstens zwei Zyklen am Tag, Day-Ahead, Intraday, FCR und aFRR, Wirkungsgrad 90,25 % | 23.01.2026 |
| RWTH Aachen, ISEA: Battery Revenue Index, marktübergreifend | 259.000 € je MW und Jahr | 2025 | 1 MW / 2 MWh, höchstens zwei Zyklen am Tag, Day-Ahead, Intraday, FCR und aFRR, Wirkungsgrad 90,25 % | 23.01.2026 |
| RWTH Aachen, ISEA: Battery Revenue Index, marktübergreifend | 132.000 € je MW und Jahr | 1. Quartal 2026, auf das Jahr hochgerechnet | 1 MW / 2 MWh, höchstens zwei Zyklen am Tag, Day-Ahead, Intraday, FCR und aFRR | 09.04.2026 |
| enervis energy advisors: Batteriespeicher-Index, Mittel der letzten zwölf Monate | 12.900 € je MW und Monat | zwölf Monate bis Juli 2026 | 1 MW / 2 MWh, 1,5 Zyklen am Tag, 90 % Entladetiefe, Wirkungsgrad 87 %, Verfügbarkeit 97 %; Intraday, FCR und aFRR | 30.08.2026 |
| Modo Energy: German BESS investment outlook, Erlöse eines 2-Stunden-Speichers | 240.000 € je MW und Jahr | 2026, kurzfristig | Modell für 2-Stunden-Speicher; bis 2030 etwa halbiert | 16.03.2026 |
| Modo Energy: German BESS investment outlook, langfristiges Erlösniveau | 125.000 € je MW und Jahr | langfristig, ab 2030 | Modell für 2-Stunden-Speicher | 16.03.2026 |
Die Indizes liegen so weit auseinander, weil sie verschieden rechnen: mit mehr oder weniger Zyklen am Tag, anderem Wirkungsgrad, anderer Verfügbarkeit und anderem Wissen über künftige Preise.
Keiner dieser Werte ist der Erlös einer bestimmten Anlage. Jeder gilt nur mit seinen Annahmen. Alle gelten für Anlagen ab 1 MW, die neben dem Großhandel Regelleistung anbieten. Die Annahmen nebeneinander zeigt der Artikel Erlösindizes im Vergleich.
Wie kommen kleine Speicher an den Markt?
Über einen Vermarkter. Eine Anlage mit einigen Hundert Kilowatt handelt nicht selbst an der Börse. Der Vermarkter steuert sie, bündelt viele Speicher zu einem virtuellen Kraftwerk und handelt für sie.
Ein Beispiel ist TESVOLT ENERGY. Nach eigener Angabe vermarktet die TESVOLT Energy GmbH Speicher ab 50 kW Netzanschluss, und drei Händler bieten um die Flexibilität.
Für Einheiten dieser Größe veröffentlicht niemand realisierte Erlöse. Für einen Abschlag gegenüber den Indizes gibt es keinen belegten Wert.
Welche Vertragsmodelle gibt es?
- Merchant: Der Speicher handelt am Markt. Der Vermarkter behält eine Grundgebühr und einen Anteil am Erlös. Das volle Preisrisiko bleibt beim Eigentümer.
- Floor: Der Vermarkter sichert einen Mindesterlös zu. Was darüber liegt, wird geteilt. Angeboten wird das für große Anlagen, etwa ab 20 MW.
- Tolling: Der Vermarkter zahlt einen festen Betrag je kW und Jahr und nutzt dafür die Leistung, meist für fünf bis sieben Jahre. Für Zwei-Stunden-Speicher mit Inbetriebnahme 2027 nennen Capcora und Suena 120 € je kW und Jahr.
Für Einheiten unter 1 MW bleibt heute praktisch nur das Merchant-Modell über einen Vermarkter.
Welche Kosten mindern den Erlös?
Vom Erlös gehen ab: das Entgelt des Vermarkters, Betrieb und Wartung, Pacht, Versicherung und die eigene Verwaltung. Dazu kommt das Netz.
Netzentgelt heute. Neue Speicher zahlen keine Entgelte für den Netzzugang. Das gilt für den Strom, den sie aus dem Netz laden und in dasselbe Netz zurückspeisen.
- Frist für die Inbetriebnahme ab dem 04.08.2011: 18 Jahre (§ 118 Abs. 6 S. 1 EnWG, Stand 24.09.2026)
- Dauer der Freistellung ab Inbetriebnahme: 20 Jahre (§ 118 Abs. 6 S. 1 und 3 EnWG, Stand 24.09.2026)
Netzentgelt nach der Reform. Die Bundesnetzagentur will die Netzentgelte neu ordnen. Bisher gibt es dazu nur einen Entwurf, die Festlegung AgNes. Nach diesem Entwurf gilt:
- Die neue Systematik gilt ab 01.01.2029 (Entwurf vom 06.08.2026) (Tenorziffer 1.2, Stand 24.09.2026).
- Netzgekoppelte Speicher zahlen dann jedes Jahr ein Entgelt auf ihre Netzanschlusskapazität. Als Größenordnung nennt der Entwurf 4 € je kW und Jahr (Entwurf vom 06.08.2026) bis 7 € je kW und Jahr (Entwurf vom 06.08.2026) (Rn. 50, Stand 24.09.2026).
- Die heutige Befreiung behält nur, wer die endgültige Investitionsentscheidung vor der Bekanntgabe der Festlegung getroffen hat. Nachzuweisen ist das beim Netzbetreiber bis 31.03.2027 (Entwurf vom 06.08.2026) (Tenorziffer 17.5 S. 3, Stand 24.09.2026).
Was der Entwurf genau sagt
- Netzgekoppelte Speicher zahlen ein jährliches Kapazitätsentgelt auf die vertraglich vereinbarte Netzanschlusskapazität, so hoch wie das kapazitätsbasierte Einspeiseentgelt (Entwurf vom 06.08.2026) (Tenorziffer 10.1, Stand 24.09.2026).
- Die Befreiung nach § 118 Abs. 6 EnWG gilt nach dem Entwurf nur für Anlagen, für die die endgültige Investitionsentscheidung vor der Bekanntgabe der Festlegung getroffen wurde (Entwurf vom 06.08.2026).
Baukostenzuschuss. Das ist ein Zuschuss, den der Netzbetreiber für den Anschluss an das Netz verlangt. Netzbetreiber dürfen ihn auch von reinen Netzspeichern verlangen. Das hat der Bundesgerichtshof am 15.07.2025 entschieden.
Wie altert die Batterie?
Eine Batterie verliert mit jedem Zyklus Kapazität. Wie viel sie verlieren darf, steht in der Garantie des Herstellers.
Ein Beispiel ist die Herstellergarantie der TESVOLT AG für ihren Speicher TESVOLT FORTON (Version 1.0). Der Hersteller gibt darin an:
- Kapazitätsgarantie 12 Jahre, 15 Jahre nur mit dem Vermarktungsprodukt der TESVOLT Energy GmbH
- Lebensende bei 60 % der Nennkapazität
- garantiert 10.200 bis 12.900 Vollzyklen bei höchstens 0,5 C, je nach Temperatur
- im Mittel eines Jahres höchstens zwei Vollzyklen am Tag
Wer die Bedingungen verletzt, verliert die Garantie.
Fraunhofer ISE rechnet mit einer Lebensdauer von 15 Jahren und einem Ersatz der Batterie für 30 bis 50 % der Anfangsinvestition.
Was heißt das für eine Einheit?
Entscheidend ist nicht, was ein Index zeigt. Entscheidend ist, welchen Erlös eine Einheit mit ihren Kosten braucht, damit sie sich rechnet. Und wie diese Schwelle zu den öffentlichen Maßstäben steht.
Der Speicher-Rechner legt diesen Break-even-Erlös neben die Maßstäbe in zwei Gruppen: was kleine Einheiten heute erreichen (Großhandel) und die Indizes mit Regelleistung, die für sie erst über einen zugelassenen Pool gelten.
Werte in Tausend € je MW und Jahr (2-Stunden-Speicher, vor Vermarktungsentgelt); die Tabelle darunter nennt jede Zahl.
| Szenario | Pfad | Anker |
|---|---|---|
| S0 Nur Day-Ahead (Untergrenze) | 91.000 € je MW und Jahr, gleichbleibend | RWTH Aachen, ISEA, Index nur für Day-Ahead, 2-Stunden-Speicher, 2025. Ohne Intraday; kleine Einheiten handeln beides. Deshalb eine Untergrenze, kein Maßstab für den Großhandel insgesamt. |
| S0+ Day-Ahead und Intraday | offen | Eine öffentliche Jahreszahl nur für Intraday gibt es in den geprüften Quellen nicht. Die Zeile bleibt offen, bis ein belegter Maßstab gefunden ist. |
| S-R Rückrechnung 2024 des Vermarkters | gesperrt | Erst nach Plausibilisierung der Rückrechnung, Freigabe des Exposé-Drucks und Entscheidung E3; ob die Werte vor oder nach dem Vermarktungsentgelt gelten, klärt der Vermarkter (11 C-18). |
| Szenario | Pfad | Anker |
|---|---|---|
| S1 Vorsichtig | 120.000 € fest für fünf Jahre, danach 104.000 € | Full Tolling 120 € je kW und Jahr (Capcora und Suena, fünf Jahre, Inbetriebnahme 2027); danach das langfristige Niveau von Modo Energy (125.000 €) abzüglich 17 % für 50 % mehr Speicherzubau. |
| S2 Mittel | 155.000 €, linear auf 125.000 € bis 2030 | enervis energy advisors, Mittel über zwölf Monate bis Juli 2026 (12.900 € je MW und Monat, aufs Jahr gerechnet); Ziel das langfristige Niveau von Modo Energy. |
| S3 Günstig | 240.000 €, bis 2030 halbiert, mindestens 125.000 €; ab 2031 zusätzlich 10.000 € aus einem Kapazitätsmarkt | Modo Energy für 2-Stunden-Speicher 2026, kurzfristig; Kapazitätsmarkt mit dem unteren Wert der Spanne 10.000 € bis 15.000 €. |
Stand der Maßstäbe: 30.08.2026. Die Werte kommen aus den Marktdaten und werden dort monatlich geprüft. Gruppe 2 gilt für Anlagen ab 1 MW mit Regelleistung; kleine Einheiten handeln heute nur am Großhandelsmarkt.
Welchen Strom lädt ein Netzspeicher?
Ein Speicher ohne eigene Erzeugungsanlage lädt Strom aus dem öffentlichen Netz, also den jeweiligen Strommix. Ohne Nachweis lässt sich über diesen Strom nicht sagen, er stamme aus erneuerbaren Anlagen.
Manche Speicher laden beides: Strom aus erneuerbaren Anlagen und Netzstrom. Wie das abzugrenzen ist, regelt die Bundesnetzagentur im Verfahren MiSpeL.
Woher stammen die Zahlen?
Die Marktzahlen dieser Seite kommen aus dem Marktdaten-Monitor, der sie monatlich neu liest. Die Rechtswerte stehen mit Paragraf und Stand im Rechtsstand-Register der Website.
Daten: Bundesnetzagentur | SMARD.de: Großhandelspreise Day-Ahead, Gebotszone Deutschland/Luxemburg (CC BY 4.0), eigene Auswertung; Battery Charts (ISEA und PGS, RWTH Aachen University): Stationäre Batteriespeicher in Deutschland (CC BY 4.0)
