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ISEA, enervis, Modo: warum Erlösindizes für Batteriespeicher so weit auseinanderliegen
Was die Erlösindizes von RWTH Aachen, enervis und Modo messen, mit welchen Annahmen sie rechnen und welcher Maßstab für kleine Speicher taugt.
Was zeigt ein Erlösindex?
Ein Erlösindex rechnet eine gedachte Anlage mit festen Regeln durch die Preise der Strommärkte: Wann lädt sie, wann speist sie ein, für welchen Markt hält sie Leistung bereit?
Heraus kommt, was diese Anlage erlöst hätte (Rückblick) oder erlösen dürfte (Prognose). Die Einheit ist meist Euro je Megawatt Leistung und Jahr.
Zu den Kosten:
- Welche Kosten ein Index bereits abzieht, steht in seiner Methodenbeschreibung.
- Die Kosten einer bestimmten Anlage kennt kein Index: Vermarkter, Betrieb, Pacht, Versicherung und Netz. Sie gehören in die eigene Rechnung.
Wer veröffentlicht die drei Indizes?
- RWTH Aachen (ISEA): ein Rückblick mit Jahreswerten und mit Monatswerten, die auf das Jahr hochgerechnet sind. Die Methode ist als offener Programmcode veröffentlicht.
- enervis: ein Rückblick je Monat als Nettoerlös, dazu ein Ausblick.
- Modo Energy: ein Rückblick als Benchmark, dazu eine Prognose bis nach 2030. Die Prognose aus Modos Ausblick vom 16.03.2026 beruht auf einem eigenen Marktmodell. Dessen Annahmen sind nur zum Teil öffentlich.
Die Märkte, mit denen die Indizes rechnen:
- Day-Ahead: die Auktion am Vortag der Lieferung
- Intraday: der Handel am Liefertag selbst, in Auktionen und fortlaufend
- FCR und aFRR: Primär- und Sekundärregelleistung. Das ist Leistung, die bereitsteht, um die Netzfrequenz zu halten.
Die Annahmen der drei Indizes im Einzelnen
| RWTH Aachen (ISEA) | enervis | Modo Energy | |
|---|---|---|---|
| Art | Rückblick, Jahreswerte und auf das Jahr hochgerechnete Monatswerte | Rückblick je Monat als Nettoerlös, dazu ein Ausblick | Rückblick als Benchmark, dazu eine Prognose bis nach 2030 |
| Gedachte Anlage | 1 MW mit 1, 2 oder 4 MWh | 1 MW mit 2 MWh | Speicher mit 1, 2 oder 4 Stunden |
| Zyklen am Tag | höchstens 1 oder 2 | höchstens 1,5 | wählbar, für die Prognose nicht veröffentlicht |
| Wirkungsgrad | 90,25 % | 87 % | für die Prognose nicht veröffentlicht |
| Entladetiefe, Verfügbarkeit | nicht angegeben | 90 %, 97 % | nicht veröffentlicht |
| Märkte | Day-Ahead, erste Intraday-Auktion, fortlaufender Intraday-Handel, FCR, aFRR mit Leistung und Arbeit | Intraday, FCR, aFRR nur mit Leistung | Day-Ahead, Intraday-Auktionen und fortlaufender Handel, FCR, aFRR mit Leistung und Arbeit |
| Wissen über Preise | fortlaufender Intraday-Handel mit echten Geschäften der Börse EPEX Spot, schrittweise optimiert; Wahl zwischen FCR und aFRR je Vier-Stunden-Block | ohne volle Voraussicht | ohne volle Voraussicht; simulierte Erlöse auf 80 % gekürzt, damit sie zu realen passen |
Die Angaben zu Modo gelten für dessen Benchmark (Methode vom 20.05.2026).
Welche Werte nennen die Indizes?
| Index | Wert | Zeitraum | Annahmen | Stand |
|---|---|---|---|---|
| RWTH Aachen, ISEA: Battery Revenue Index, marktübergreifend | 309.000 € je MW und Jahr | 2024 | 1 MW / 2 MWh, höchstens zwei Zyklen am Tag, Day-Ahead, Intraday, FCR und aFRR, Wirkungsgrad 90,25 % | 23.01.2026 |
| RWTH Aachen, ISEA: Battery Revenue Index, marktübergreifend | 259.000 € je MW und Jahr | 2025 | 1 MW / 2 MWh, höchstens zwei Zyklen am Tag, Day-Ahead, Intraday, FCR und aFRR, Wirkungsgrad 90,25 % | 23.01.2026 |
| RWTH Aachen, ISEA: Battery Revenue Index, marktübergreifend | 132.000 € je MW und Jahr | 1. Quartal 2026, auf das Jahr hochgerechnet | 1 MW / 2 MWh, höchstens zwei Zyklen am Tag, Day-Ahead, Intraday, FCR und aFRR | 09.04.2026 |
| enervis energy advisors: Batteriespeicher-Index, Mittel der letzten zwölf Monate | 12.900 € je MW und Monat | zwölf Monate bis Juli 2026 | 1 MW / 2 MWh, 1,5 Zyklen am Tag, 90 % Entladetiefe, Wirkungsgrad 87 %, Verfügbarkeit 97 %; Intraday, FCR und aFRR | 30.08.2026 |
| Modo Energy: German BESS investment outlook, Erlöse eines 2-Stunden-Speichers | 240.000 € je MW und Jahr | 2026, kurzfristig | Modell für 2-Stunden-Speicher; bis 2030 etwa halbiert | 16.03.2026 |
| Modo Energy: German BESS investment outlook, langfristiges Erlösniveau | 125.000 € je MW und Jahr | langfristig, ab 2030 | Modell für 2-Stunden-Speicher | 16.03.2026 |
Warum liegen die Werte so weit auseinander?
- Zyklen und Wirkungsgrad. Die RWTH lässt bis zu zwei volle Zyklen am Tag zu und rechnet mit 90,25 % Wirkungsgrad. enervis begrenzt auf 1,5 Zyklen und rechnet mit 87 %. Dazu zieht enervis Entladetiefe und Verfügbarkeit ab. Jede dieser Grenzen senkt den Erlös.
- Märkte. Die RWTH rechnet die Regelarbeit der Sekundärregelleistung mit, enervis nicht. Dieser Markt schwankt stark. Allein damit hätte eine Anlage mit 1 MW und 2 MWh nach der RWTH 2024 227.000 € je MW und Jahr erlöst, 2025 76.500 € je MW und Jahr.
- Wissen über Preise. Ein Modell, das alle Preise im Voraus kennt, rechnet mit mehr, als ein Händler in Wirklichkeit erreichen kann. Die Indizes gehen damit verschieden um. Modo kürzt seine simulierten Erlöse ausdrücklich, damit sie zu realen passen.
- Speicherdauer. Mehr Kapazität bei gleicher Leistung erlaubt längere Ein- und Ausspeicherung. Nach der RWTH kam eine Anlage mit 1 MW und 1 MWh 2025 auf 151.000 € je MW und Jahr, eine mit 2 MWh auf 259.000 € je MW und Jahr.
- Zeitraum. Der Jahreswert der RWTH gilt für 2025, das Mittel von enervis für die zwölf Monate bis Juli 2026. Monatswerte schwanken stark. Bei enervis lagen sie in den zwölf Monaten bis Juli 2026 bei 5.700–18.900 € je MW und Monat. Das erste Quartal 2026 ergibt bei der RWTH auf das Jahr gerechnet 132.000 € je MW und Jahr. Wer einen einzelnen Monat auf das Jahr hochrechnet, bekommt je nach Monat sehr verschiedene Werte.
Welcher Maßstab taugt für kleine Speicher?
Die drei Indizes passen für kleine Einheiten nicht ohne Weiteres. Alle drei rechnen mit einer Anlage von 1 MW, die neben dem Großhandel Regelleistung anbietet.
An den Ausschreibungen für Regelleistung nimmt teil, wer mindestens 1 MW bietet. Kleinere Einheiten erreichen diesen Markt nur über einen präqualifizierten Pool, also einen zugelassenen Verbund vieler Anlagen.
Für eine Einheit mit einigen Hundert Kilowatt, die am Großhandel handelt, sind deshalb andere Werte näher:
- Nur Day-Ahead nach der RWTH: 91.000 € je MW und Jahr für 2025, mit bis zu zwei Zyklen am Tag und 90,25 % Wirkungsgrad.
- Eigene Obergrenze aus den Day-Ahead-Preisen: 78.834 € je MW für 2025. Gerechnet ist sie mit einem Zyklus am Tag, 87 % Wirkungsgrad und voller Kenntnis der Preise, ohne Entgelte und Alterung. Kein Speicher erreicht diesen Wert. Er zeigt, wie viel Spanne der Markt geboten hat.
Auch von diesen Werten gehen noch das Entgelt des Vermarkters und die Kosten der Anlage ab.
Der Speicher-Rechner legt die Maßstäbe in zwei Gruppen neben den Erlös, den eine Einheit mit ihren Kosten braucht: was kleine Einheiten heute am Großhandel erreichen, und die Indizes mit Regelleistung.
Wie aktuell sind die Zahlen?
Die zitierten Werte stehen mit Stand und Quelle im Marktdaten-Monitor und werden dort gepflegt. Die eigene Obergrenze rechnet der Monitor jeden Monat aus den Day-Ahead-Preisen der Bundesnetzagentur neu.
