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Speichergarantie lesen: Zyklen, Temperatur, Restkapazität

Was die Herstellergarantie eines Batteriespeichers zusagt und was nicht: Kapazität, Vollzyklen, Temperatur, Pflichten, Ausschlüsse, Vermarkter, Weiterverkauf.

Stand: 25.09.2026

Kurz gesagt

  • Eine Batterie verliert mit jedem Zyklus Kapazität. Wie viel sie verlieren darf, bevor der Hersteller einsteht, steht in seiner Garantie.
  • Die Kapazitätsgarantie sagt eine Restkapazität zu, bis eine Zahl von Vollzyklen oder ein Zeitraum erreicht ist. Es gilt, was zuerst eintritt.
  • Die Zahl der garantierten Zyklen hängt an Temperatur und Ladeleistung. Die Garantie begrenzt außerdem die Zyklen je Tag und knüpft an Pflichten des Eigentümers.
  • Entgangene Erlöse ersetzt sie in der Regel nicht.

Für einen Speicher, der Geld verdienen soll, gehört die Garantie deshalb in die Rechnung. Sie begrenzt, wie oft und wie stark der Speicher laden und entladen darf. Dieser Artikel zeigt am Beispiel einer veröffentlichten Herstellergarantie, worauf es beim Lesen ankommt.

Was ist eine Garantie?

Eine Garantie ist ein Versprechen des Herstellers. Sie kommt zur gesetzlichen Mängelhaftung des Verkäufers hinzu. Die gesetzlichen Ansprüche bleiben daneben bestehen.

Wo das im Gesetz steht

Die Garantie und ihr Verhältnis zu den gesetzlichen Ansprüchen regelt § 443 Abs. 1 BGB.

Welche Garantie dient als Beispiel?

Die Herstellergarantie der TESVOLT AG für den gewerblichen Speicher TESVOLT FORTON, Version 1.0. Sie gilt für Speicher, die TESVOLT seit dem 01.01.2025 verkauft hat. Alles, was dieser Artikel daraus nennt, ist eine Angabe des Herstellers.

Andere Hersteller regeln dieselben Punkte anders. Die Fragen bleiben gleich.

Was sagt die Kapazitätsgarantie zu?

Wie lange? Die Kapazitätsgarantie läuft 12 Jahre. Wer den Speicher ab der Inbetriebnahme 15 Jahre lang mit dem Vermarktungsprodukt der TESVOLT Energy GmbH nutzt, bekommt 15 Jahre. Die Garantie beginnt mit der ersten Inbetriebnahme, spätestens acht Wochen nach Auslieferung.

Wie viel Restkapazität? Zugesagt sind mindestens 60 % der Nennkapazität. Das gilt, bis die garantierte Zahl an Vollladezyklen erreicht ist, höchstens bis zum Ende des Zeitraums. Unterschreitet ein Batteriemodul diesen Wert vorher, ist das der Garantiefall. Gemessen wird in einem festgelegten Test bei 25 °C.

Wie viele Zyklen? Ein Vollladezyklus ist eine Beladung mit der nutzbaren Energie beim aktuellen Gesundheitszustand der Batterie. Wie viele davon garantiert sind, hängt an zwei Dingen:

  • an der Umgebungstemperatur
  • an der CP-Rate. Das ist die höchste Lade- oder Entladeleistung im Verhältnis zur Nennenergie, die der Speicher je erreicht hat.

Bei einer CP-Rate bis 0,5 sind es je nach Temperatur 10.200 bis 12.900 Vollladezyklen. Bei einer höheren CP-Rate sind es weniger. Über 35 °C werden je Tag Zyklen abgezogen. Unter −20 °C oder über 55 °C erlischt die Garantie, auch wenn die Temperatur nur kurz erreicht wird.

Die Zyklen nach Temperatur und CP-Rate
UmgebungstemperaturCP-Rate bis 0,5CP-Rate 0,51 bis 1,0
−20,0 bis 9,9 °C12.90010.950
10,0 bis 19,9 °C11.50010.300
20,0 bis 35,0 °C10.2008.500
35,1 bis 55,0 °Cweniger: je Tag werden Zyklen abgezogenweniger: je Tag werden Zyklen abgezogen
unter −20,0 °C oder über 55,0 °C, auch kurzGarantie erlischtGarantie erlischt

Wie viele Zyklen am Tag? Im Mittel über 365 Tage sind höchstens zwei Vollzyklen am Tag erlaubt. An einzelnen Tagen sind es drei, wenn die CP-Rate 0,5 nicht übersteigt.

Was heißt das für das Erlösmodell?

  • Zeit oder Zyklen, was zuerst kommt. Eigene Rechnung: Mit zwei Vollzyklen an jedem Tag sind 10.200 Zyklen nach rund 14 Jahren erreicht. Bei weniger Zyklen endet die Garantie mit dem Zeitraum.
  • Ein einziger Spitzenwert zählt. Maßgeblich ist die höchste CP-Rate im ganzen Betriebszeitraum. Wer den Speicher auch nur einmal über 0,5 fährt, für den gelten die niedrigeren Zyklenzahlen.
  • Die Vermarktung muss in die Grenzen passen. Setzt ein Vermarkter mehr Zyklen je Tag oder höhere Leistung ein, als die Garantie erlaubt, verbraucht er die Garantie schneller oder bringt sie zum Erlöschen. Der Vermarktungsvertrag sollte die Grenzen der Garantie übernehmen.
  • Der Vermarkter bestimmt den Zeitraum mit. Im Beispiel gibt es 15 statt 12 Jahre nur mit dem Vermarktungsprodukt des Herstellers über 15 Jahre. Ein späterer Wechsel des Vermarkters kann die Garantie verkürzen.

Wie Alterung und Garantie in die Erlösrechnung eingehen, erklärt der Artikel Wie ein Batteriespeicher Geld verdient.

Welche Pflichten hat der Eigentümer?

Die Garantie im Beispiel gilt nur unter Bedingungen:

  • Installation: Ein Elektriker installiert den Speicher fachgerecht und nimmt ihn in Betrieb, nach den Anleitungen des Herstellers.
  • Daten: Der Speicher braucht eine Internetverbindung, über die er die Daten für die Garantie aufzeichnet. Der Hersteller braucht Fernzugang zur Überwachungssoftware.
  • Stillstand: Keine Betriebspause über sechs Monate ohne regelmäßiges Laden und Entladen. Bei Lagerung oder Stillstand über vier Wochen sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufzuzeichnen.
  • Meldung: Ein Garantiefall ist schriftlich zu melden, innerhalb von zehn Werktagen nach Kenntnis. Dazu gehören Seriennummer, Fehlerbeschreibung und, je nach Kaufweg, die Originalrechnung.
  • Wartung: Wartungsprotokolle sind auf Anforderung vorzulegen.

Was leistet die Garantie nicht?

  • Kein Ersatz entgangener Erlöse. Ausgeschlossen sind unter anderem entgangener Gewinn oder Umsatz, Betriebsstillstand und Finanzierungskosten. Das gilt, soweit nicht Vorsatz, grobe Fahrlässigkeit oder die anderen genannten Ausnahmen vorliegen.
  • Der Hersteller wählt die Leistung. Er kann reparieren, ersetzen oder den Zeitwert erstatten. Der Zeitwert sinkt über den Garantiezeitraum linear. Eigene Rechnung: Nach acht von zwölf Jahren ist es ein Drittel des Verkaufspreises des Herstellers.
  • Ausschlüsse. Dazu gehören unter anderem Schäden durch höhere Gewalt und Überspannung und durch unsachgemäßen Betrieb. Ausgeschlossen ist auch der Fall, dass der Speicher ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Herstellers versetzt, demontiert oder weiterverkauft wurde.
  • Kosten einer Prüfung ohne Garantiefall. Stellt der Hersteller keinen Garantiefall fest, kann er seine Prüfung mit 1.500 € netto je Tag berechnen.

Wer hat die Garantie, und was gilt nach einem Verkauf?

Garantieberechtigt ist im Beispiel der Unternehmer, der den Speicher zum Zeitpunkt der Geltendmachung selbst einsetzt. Händler haben keine Ansprüche. Übertragen lässt sich die Garantie nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung des Herstellers.

Wer eine Einheit von einem Anbieter kauft, sollte deshalb zwei Dinge klären: Geht die Garantie auf ihn über? Und wer führt die Daten für den Nachweis?

Was sollten Sie einen Anbieter fragen?

  1. Welche Garantie gilt für die Batterie, in welcher Fassung, und wer ist Garantiegeber?
  2. Geht die Garantie auf den Käufer über, und liegt die Zustimmung des Herstellers vor?
  3. Mit welcher Leistung und wie vielen Zyklen je Tag plant der Vermarkter, und passt das zu den Grenzen der Garantie?
  4. Wer zeichnet Temperatur, Zyklen und Leistung auf, und wie kommt der Käufer an diese Daten?
  5. Was passiert mit der Garantie, wenn der Vermarkter wechselt?

Weitere Fragen stehen im Artikel 20 Fragen an jeden Speicheranbieter.

Wo das in der Garantie steht

Die Ziffern der Herstellergarantie TESVOLT FORTON, Version 1.0:

  • Wer die Garantie hat und wie sie übertragen wird: Ziffer 3, 15
  • Zeitraum und Beginn: Ziffer 6.1, 6.2
  • Restkapazität und Garantiefall: Ziffer 6.3, 8.1
  • Zyklen, CP-Rate und Temperatur: Ziffer 6.4, 6.5
  • Zyklen je Tag: Ziffer 6.4.4
  • Leistung des Herstellers und Zeitwert: Ziffer 9.1
  • Pflichten des Eigentümers: Ziffer 10, 11
  • Ausschlüsse: Ziffer 12
  • Kein Ersatz entgangener Erlöse: Ziffer 13
  • Kosten einer Prüfung ohne Garantiefall: Ziffer 14

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