Wissen: Terrasse und Glas

Wann wird aus dem Gartenzimmer ein Wintergarten?

Terrassendach mit Glaswänden: wann in Niedersachsen die Grenze für Terrassendächer gilt, wann die für Wintergärten, und wie das Ministerium sie abgrenzt.

Kurz gesagt

  • Über das Baurecht entscheidet nicht der Name, sondern wie dicht die Glaswände sind.
  • Sind die Seiten nicht wind- und schlagregendicht, etwa mit Ganzglasanlagen, bleibt es nach der Auslegung des Ministeriums ein Terrassendach.
  • Schließen die Elemente den Raum dicht, ist er danach ein Wintergarten. Dann gelten dessen Grenzen.
  • Die Auslegung ist nicht verbindlich. Liegt Ihr Gartenzimmer zwischen beiden Grenzen, fragen Sie das Bauamt.

Welche Grenzen gelten ohne Baugenehmigung?

Die Niedersächsische Bauordnung kennt zwei Grenzen für verfahrensfreie Glasbauten am Haus :

  • Terrassendach: bis 40 m² Grundfläche.
  • Wintergarten: bis 30 m² Brutto-Grundfläche und 5 m Höhe.
  • Für beide: mindestens 3 m Abstand zur Grenze des Nachbargrundstücks.

Ein Gartenzimmer liegt dazwischen: ein Terrassendach, dessen Seiten ganz oder teilweise mit Glas geschlossen sind. Bis 30 m² hält es beide Grenzen ein. Darüber kommt es darauf an, ob es baurechtlich ein Wintergarten ist.

Beide Grenzen werden gleich gemessen: Die Grundfläche ist die Brutto-Grundfläche .

Was ist nach dem Gesetz ein Wintergarten?

Das sagt das Gesetz nicht. Auch der Name hilft nicht weiter: Ob ein Anbieter „Gartenzimmer“, „Glashaus“ oder „Kaltwintergarten“ schreibt, entscheidet nicht über das Baurecht.

Wie grenzt das Ministerium ab?

Im Januar 2026 hat das Wirtschaftsministerium als oberste Bauaufsichtsbehörde erklärt, was es unter einem Wintergarten versteht :

  • Wintergarten: ein ebenerdiger, geschlossener Anbau oder ein eigenes Bauwerk. Mindestens eine Wand und der Großteil des Dachs sind lichtdurchlässig. Er ist schlagregendicht, luft- und winddicht und vom Außenklima getrennt. Ob er beheizt wird, spielt keine Rolle.
  • Kein Wintergarten: ein Terrassendach mit teilweisem oder allseitigem Windschutz aus Elementen, die nicht wind- und schlagregendicht sind, etwa Ganzglasanlagen.
  • Tür zum Haus: Zum Wohnbereich hin muss ein Wintergarten eine verschließbare Tür haben. Ganz offen zum Wohnraum wäre er keiner.
  • Höhe: Das Ministerium misst sie von der Geländeoberfläche bis zum höchsten Punkt.

Die Formulierung folgt fast wörtlich der Definition des Bundesverbands Wintergarten. Auch dessen Gebrauchshinweise sagen: Terrassendächer mit seitlichem Windschutz, etwa aus Ganzglasanlagen, sind weder luft- noch schlagregendicht. Soll der Glasanbau wind-, luft- und regendicht sein, handelt es sich um einen Wintergarten.

Was das Ministerium genau schreibt

Ein Wintergarten ist danach ein ebenerdiger, geschlossener Anbau oder ein selbstständiges Bauwerk mit mindestens einer Wandfläche und einem Großteil der Dachfläche aus lichtdurchlässigen Baustoffen, schlagregendicht, luft- und winddicht und vom Außenklima getrennt, beheizt oder unbeheizt (Anhang Nr. 1.8 NBauO; FAQ Nr. 18.10, Stand 25.09.2026).

Was heißt das für mein Gartenzimmer?

Nach dieser Auslegung zählt nicht, ob Glas die Seiten schließt, sondern wie dicht:

  • Ganzglasanlagen, etwa rahmenlose Glasschiebewände, nennt das Ministerium als Beispiel für Elemente, die nicht wind- und schlagregendicht sind. Ein Terrassendach mit ihnen bleibt danach eine Terrassenüberdachung, und es gilt deren Grenze.
  • Gerahmte Schiebetüren, Fenster und Festverglasungen können einen Raum schlagregen-, luft- und winddicht schließen. Tun sie das, ist er nach dieser Auslegung ein Wintergarten, und es gelten dessen Grenzen.

Woher weiß ich, ob meine Elemente dicht sind?

Das sagt ihr Hersteller. Für Fenster und Außentüren werden Schlagregendichtheit, Luftdurchlässigkeit und Widerstand gegen Windlast nach Norm geprüft und in Klassen angegeben .

Zusätzliche Dichtungen oder Bürsten zwischen den Scheiben von Ganzglasanlagen verbessern die Dichtheit etwas. Nach dem Bundesverband Wintergarten verstärken sie aber das Kondenswasser bis hin zur Vereisung im Winter.

Warum sollte ich trotzdem das Bauamt fragen?

Die Antworten des Ministeriums sind eine Auslegungshilfe der obersten Bauaufsichtsbehörde und rechtlich nicht verbindlich; im Einzelfall entscheidet die zuständige untere Bauaufsichtsbehörde .

Zwischen 30 m² und 40 m² sagt der Genehmigungs-Check deshalb „Beim Bauamt klären“ und nennt das Merkmal der Dichtheit dazu.

Eine verbindliche Antwort vor dem Bau gibt ein Bauvorbescheid: Über einzelne Fragen eines Vorhabens entscheidet die Bauaufsichtsbehörde auf Antrag (Bauvoranfrage) durch Bauvorbescheid.

Spielt es eine Rolle, ob ich heize?

Für das Baurecht in Niedersachsen nicht. Die Auslegung des Ministeriums nennt beides, beheizt und unbeheizt.

Für das Gebäudemodernisierungsgesetz ist es entscheidend. Es gilt für Gebäude, soweit sie nach ihrer Zweckbestimmung unter Einsatz von Energie beheizt oder gekühlt werden. Ein unbeheiztes Gartenzimmer fällt nicht darunter, ein beheizter Wohnwintergarten schon. Mehr zur Abgrenzung der drei Räume steht auf der Seite Gartenzimmer.

Eine Feuerstätte im Gartenzimmer, etwa ein Kaminofen, klären Sie vorher mit dem Bauamt und dem Bezirksschornsteinfeger. In Betrieb gehen darf sie erst, wenn die Bezirksschornsteinfegerin oder der Bezirksschornsteinfeger die sichere Benutzbarkeit geprüft und bescheinigt hat.

Was gilt in Hamburg?

Die Hamburgische Bauordnung nennt Überdachungen von Terrassen vor Erdgeschossen als verfahrensfrei, bis 30 m² und 3 m Tiefe. Wintergärten nennt sie nicht.

Ob ein Terrassendach mit Glaswänden dort noch als Überdachung gilt, klären Sie mit dem Bezirksamt. Mehr im Artikel Terrassendach in Hamburg.